26.07.21 | Kurzimpuls

Nimm rechtzeitig Fahrt auf!

Olympische Spiele 2020 (ja, das Ereignis heißt tatsächlich so!) in Tokio, Straßenradrennen der Frauen: Vor dem Start wurde eigentlich nur noch darüber diskutiert, in welcher Reihenfolge sich die hoch favorisierten Niederländerinnen die drei Medaillen abholen werden. Die Sache schien sonnenklar, so eindeutig waren die Rollen verteilt. Das Rennen startet und schon nach einiger Zeit gibt es einige Ausreißerinnen, die dem Feld weg – und sich einen stattlichen, aber immer noch eigentlich nicht furchteinflößenden Vorsprung herausfahren. Sämtliche Favoritinnen, unter ihnen auch die Niederländerinnen, fahren im Hauptfeld und bewahren im Gefühl der Sicherheit, das noch locker aufholen zu können, die „Seelenruhe”.

Das Ziel rückt näher, einige der Ausreißerinnen können nach geraumer Zeit wieder gestellt werden, aber eine mutige Österreicherin, absolute Außenseiterin im Vorfeld, hat sich in der Zwischenzeit von den vorne mitfahrenden Kolleginnen lösen können und eine Alleinfahrt gestartet. Im Hauptfeld wird weiterhin recht gemütlich gefahren, keiner will die Tempoarbeit übernehmen, jeder verlässt sich auf den anderen. Das Ergebnis: Die mutige Österreicherin gewinnt sensationell das Rennen, weil sie durch diese „Verschlafenheit“ von den Favoritinnen nicht mehr eingeholt werden kann.

Nun ja, das erinnert mich unweigerlich an eine biblische Geschichte aus dem Neuen Testament, dem Gleichnis über die klugen und törichten Jungfrauen. Das kannst Du übrigens in Matthäus 25 nachlesen, es lohnt sich. Auch hier galt es für die jungen Frauen, ein Ziel zu erreichen, nämlich bereit für den Bräutigam zu sein, wenn er kommt. Aber der Bräutigam kommt und kommt nicht, sodass die Jungfrauen auf ihrer langen Strecke einzuschlafen beginnen. Irgendwann werden sie durch die Ankunft des Bräutigams (d.h. die „Zielankunft“) geweckt und fünf von ihnen merken, dass das Öl für die Lichter, d.h. die Kraft (für die letzten Kilometer) nicht mehr ausreicht und verlassen sich auf die anderen, in dem sie sie bitten, etwas von deren Öl abzugeben. Doch das tun diese nicht in der Angst, dass es dann für sie selbst nicht reichen würde. Das Ende vom Lied ist, dass die törichten Jungfrauen sogar gänzlich das Ziel verpassen und alles verlieren.

Eine erstaunliche Parallele in diesen beiden Geschichten, oder? Was lernen wir daraus? Nun, zum einen, dass jeder letztendlich für sich selbst verantwortlich ist und zum anderen irgendwann gibt es auch ein „zu spät“ für einen vermeintlichen Schlussspurt. Nur mit dem Unterschied, dass die Geschichte der Jungfrauen in ihrer Tragweite viel tiefgreifender ist und JEDEN Menschen, auch die „Nicht-Radrennfahrer“ ja, das Ganze gilt auch der männlichen Spezies und -fahrerinnen betrifft.

Deshalb: Nimm jetzt in dem Rennen, in dem Du Dich (wie ich auch) unweigerlich befindest, rechtzeitig Fahrt auf und eine eventuelle Kurskorrektur vor. Der Preis hierfür ist zu heiß, als dass Du dies schlüren lassen solltest …